Die Zeitlichkeit von Wasser
Im Meer
beginnt der natürliche Wasserkreislauf. Die Sonne verdunstet Meerwasser,
dadurch wird Meerwasser zu Süßwasser und heiße, feuchte Luft steigt auf. Auf
dem Weg in die kälteren Gegenden der Erde kühlt sich die Luft ab und das Wasser
kondensiert zu winzigen Tröpfchen, woraus die Wolken bestehen, die sich über
den Kontinenten abregnen. Fachleute reden hier von 120.000 Kubikkilometern
(km3) Regen pro Jahr. Eine gewaltige Menge von Wasser, wenn man bedenkt, dass
ein Kubikkilometer einer Milliarde Kubikmeter Wasser entspricht und ein
Kubikmeter Wasser 1000 Liter hat.
Die
Verweilzeiten eines Wassertropfens auf dem Festland (man spricht von
Erneuerungsraten) sind sehr unterschiedlich: Fällt er in einen Bach oder Fluss,
dauert es nur wenige Tage bis einige Monate, bis er zurück ins Meer geflossen
ist. Fällt er aber in einen See, kann es auch länger dauern: Je nach Größe und
Tiefe des Sees einige Jahre bis Tausende von Jahren. Im Grundwasser dauert es
Hunderttausende von Jahren und in den Gletschern und den Polen zum Teil über
viele Millionen von Jahren, bis der Tropfen wieder im Meer angekommen ist. Und
auch dort kann es Hunderte von Millionen von Jahren dauern, bis er sich wieder
auf die Reise auf das Festland macht.
Natürlich
gibt es auch nicht-erneuerbare Wasserressourcen, so genannte "fossile
Aquifere", wie beispielsweise das Grundwasser der Sahara. Es ist Millionen von
Jahren alt und stammt aus einer Zeit, in der die Sahara noch keine Wüste war.
Jetzt ist die Sahara eine Wüste und das Grundwasser wird nicht mehr erneuert.
Man
sieht also: Der große natürliche Wasserkreislauf besteht aus vielen
unterschiedlich schnellen Kreisläufen. Das ist die Zeitlichkeit von Wasser. Sie
bestimmt die Menge der Vorräte. Je langsamer ein Kreislauf fließt, desto mehr
Wasser wird in ihm bewegt. So wird die Tatsache verständlich, dass weitaus das
meiste Wasser der Erde sich als Salzwasser in den Meeren befindet, und der
größte Anteil des Süßwassers der Erde an den Polen als Eis vorliegt.
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